Serien unserer Kindheit: „Pokémon“

    Erinnerungen an eine scheinbar unendliche Heldenreise

    Serien unserer Kindheit: "Pokémon" – Erinnerungen an eine scheinbar unendliche Heldenreise – Bild: The Pokémon Company
    Serien unserer Kindheit (6): „Pokemon“

    19 Jahre nach der Premiere im deutschen Fernsehen blickt ukrainereforms.info-Redakteur Lukas Respondek in der Reihe „Serien unserer Kindheit“ auf eine der vielen Fernsehserien zurück, die ihn seit Jahren begleiten: „Pokémon“.

    Ende der 90er schaffte es eine Zeichentrickserie aus Japan ins deutsche Fernsehen, die die Kindheit zahlreicher 90er-Kids prägen sollte – und die Eltern zur Verzweiflung brachte: „Pokémon“, kurz für „Pocket Monsters“, heißt die Anime-Serie rund um die gleichnamigen Wesen, die nach dem Start der TV-Serie bei RTL II auch abseits des Fernsehens für Furore sorgten. Soll das Pokémon-Sammelkartenspiel an Schulen verboten werden? Ist die Serie zu gewalttätig für das Nachmittagsprogramm von RTL II (man ahnte noch nichts von „Berlin – Tag & Nacht“ und den „Straßencops“)? Und wie soll man bloß zur Arbeit fahren, wenn Hunderte „Pokémon Go“-Spieler mit ihrem Smartphone die Brücke versperren?

    All das sind Gedanken, um die ich mir als Kind keine Sorgen gemacht habe. Umrahmt von weiteren Animes wie „Detektiv Conan“, „One Piece“ oder „Digimon“ war „Pokémon“ viele Jahre lang fester Bestandteil eines jeden Nachmittags – egal ob ich allein, mit meinem Bruder oder mit Freunden vorm Fernseher saß. Dem Sog der Serie war auch ich als Kind nicht entkommen, zumal ich außer „1, 2 oder 3“ und Peter Lustigs „Löwenzahn“ ohnehin nicht viel übrig hatte für das aufs Samstag- und Sonntagmorgen beschränkte Kinderprogramm von ARD und ZDF – und der KiKA hat mich damals auch nicht angesprochen. Daher zählte ich mich weniger zum Lager der „öffentlich-rechtlichen Kinder“, die heute beim Thema Pokémon nur die Augen verdrehen, als zum Lager derjenigen Kinder, die neben dem Anime-Programm von RTL II auch viele unvergessene Serien bei Super RTL und später noch beim zurückgekehrten Kindersender Nick gesehen haben.

    Weit mehr als bloß Fernsehserie und Videospiel

    Die fortlaufend erzählte Handlung der Animes war zwischen all den US-amerikanischen und europäischen Zeichentrickserien eine willkommene Besonderheit. „Pokémon“ war dabei für mich eine der prägendsten Serien. Schließlich bin ich mitten im Hype um die Serie mit unvorstellbar hohen Einschaltquoten aufgewachsen. Schnell fanden Pokémon-Sammelkarten, Pokémon-Plüschtiere (Pikachu und Quaputzi gebe ich nicht mehr her!), ja sogar Pokémon-Bettwäsche den Weg ins Kinderzimmer – das Mindeste, was man unter Freunden als Fan der Serie vorzuweisen hatte. Eines Sommers nahm ich die „Silberne Edition“ der Videospielreihe auf dem GameBoy Color mit in den Urlaub und war begeistert, die kleinen Monster nun auch tatsächlich in der Tasche mitnehmen zu können. Wen interessiert da noch der Strand!

    Erstes Pokémon-Opening:

    Wie bei einigen andere Animes auch luden legendäre Titellieder mit Zeilen wie „Ich will der Allerbeste sein, wie keiner vor mir war“ oder der kultige PokéRap am Ende der ersten Folgen zum Mitsingen ein. Natürlich durften auch der Soundtrack zur Serie und die „Anime Hits“-CDs nicht fehlen. So großen Aufwand bei der Lokalisierung von Zeichentrickserien sucht man heute vergeblich.

    Die Begeisterung sowohl für die Videospiele als auch für die Fernsehserie wollte trotz – oder wegen? – der stark wachsenden Anzahl an unterschiedlichen Pokémon nicht vergehen. Nach der Schule traf ich mich mit Freunden, um gemeinsam „Pokémon“ zu spielen oder zu gucken – meist beides gleichzeitig. So verging ein Jahr nach dem anderen, die Serie schien nie enden zu wollen und blieb gefühlt durchgehend Teil des Nachmittagsprogramms bei RTL II. Ich erinnere mich noch genau, dass RTL II eines Nachmittags eine ältere „Pokémon“-Folge („Geheimnisvolles Icognito“) scheinbar wahllos eingeschoben hat und sich dadurch das restliche Programm verzögerte.

    Erinnerungsstücke aus der Kindheit

    Die Jahre des fröhlichen Fernsehens nach der Schule waren plötzlich vorbei: Pünktlich zum Start der 14. Staffel wechselten die Animeserien 2011 – „Pokémon“ erreichte hierzulande erstmals das 16:9-Format – auf einen Sendeplatz am Sonntagvormittag. Das war der Moment, in dem ich damit anfing, Fernsehsendungen (anfangs auf einem USB-Stick) aufzuzeichnen, nur um mir das Aufstehen am Sonntagmorgen um 8 Uhr zu ersparen. Der anfängliche Riesenhype um die Serie hatte sich hier schon längst gelegt, unter hartgesottenen Fans waren aber auch die neueren Folgen Pflichtprogramm.

    Fast schon zynischer Trailer zum Start des Anime-Alarms bei RTL II:

    Später verfolgte ich die Serie nach der Absetzung bei RTL II auf dem neu gestarteten Sender ProSieben MAXX – und ich hatte den Eindruck, dass die Erzählung tatsächlich reifer als in vorherigen Staffeln wirkte. In besonderer Erinnerung bleibt mir der ungewohnte Sendeplatz neuer „Pokémon“-Folgen im Jahre 2014: ProSieben MAXX zeigte die Serie ab März 2014 erst nach 18.00 Uhr – noch nie zuvor habe ich die Serie gesehen, während es draußen allmählich dunkel wurde.

    Worum geht’s überhaupt?

    Team Rocket

    Die Serie handelt vom Jungen Ash Ketchum, der zu Beginn der Serie ein aufmüpfiges Pikachu erhält, ein gelbes mausähnliches Pokémon, das mit Elektrizität um sich schießen kann. Nach anfänglichen Schwierigkeiten im Verhältnis der beiden, setzen Ash und Pikachu gemeinsam mit einem im Laufe der Serie wechselnden Cast an Begleitern ihre Reise fort – immer mit dem Ziel vor Augen, „Pokémon-Meister“ zu werden. Hierzu trifft Ash auf verschiedenste Trainer und Pokémon, gegen die er kämpft, um letztlich an der Pokémon-Liga teilzunehmen. Der unerfahrene Ash aus dem Dörfchen Alabastia und seine Freunde fangen außerdem einige Pokémon, die mal mitreisen, mal aber auch über Staffeln hinweg nicht zu sehen sind, alle aber ihre eigene Persönlichkeit haben. Dadurch wird die Serie immer vielfältiger und strategisches Vorgehen in den Kämpfen gewinnt zunehmend an Bedeutung.

    Seit Folge 2 fester Teil der Serie ist das Team Rocket, dessen Schurkentrio Jessie, James und Mauzi von der enormen Stärke Pikachus so begeistert ist, dass es sich quasi zur Lebensaufgabe macht, dieses herausragende Pokémon zu stehlen. So versuchen James, ein nicht selten schusseliger Schurke, Jessie, eine temperamentvolle Diva, und Mauzi, das hinterlistige Pokémon im Dreiergespann, Episode für Episode Ash und seine Freunde in verschiedenste Fallen tappen zu lassen, um an Pikachu zu gelangen. Ihr kultiges Motto, das sie bei praktisch jeder Begegnung mit den Protagonisten vortragen, konnte ich ohne Mühe mitsprechen. Und jedes Mal waren es nur die Zuschauer vor dem Fernseher, die die offensichtlichsten Tarnungen der Schurken nicht zuletzt anhand der markanten Synchronsprecher erkennen konnten (dass Ash schon in der dritten Folge in der Lage war, das Team Rocket anhand der Stimmen zu identifizieren, daran aber später regelmäßig scheitert, konnte ich schon als Kind nicht ignorieren).

    Letztlich konnte man sich sicher sein, dass Jessie, James und Mauzi am Ende der Folge besiegt und gen Himmel geschossen werden – „so schnell wie das Licht“ eben. Doch auch hier macht sich bemerkbar, dass die Serie reifer wurde: Team Rocket trägt in späteren Staffeln düstere statt weiße Uniformen und schmiedet über Folgen hinweg wohlüberlegt Pläne, während ohnehin einzelne Schurkengruppen wie Team Galaktik oder Team Plasma eine ernsthafte Gefahr für die Regionen der Pokémon-Welt darstellen.

    … und wenn er noch nicht Meister ist, versucht er es noch heute

    Trotz repetitiver Elemente und Running Gags schaffte es die Serie fast schon wie eine Daily-Soap, mittels unterschiedlicher Veränderungen in den Beziehungen zwischen den Pokémon und ihren Trainern immer wieder für Überraschungen zu sorgen: Als manche Pokémon sich endlich entwickelten, fieberte ich in einem spannenden Arenakampf umso mehr mit. Als die Schurken ihre emotionalen Kindheitsgeschichten erzählten, hab ich sogar so etwas wie Mitgefühl empfunden. Und als sich Trainer nach Hunderten Folgen von einem ihrer Pokémon trennten, lief es mir schon mal eiskalt den Rücken herunter. Mindestens!

    Ash, Rocko und Misty – das Dreiergespann der ersten Staffeln

    So bereist der seit zwei Jahrzehnten 10-jährige Ash noch heute die Pokémon-Welt und ist nach zuletzt immer düster und erwachsener wirkenden 1000 Folgen, 21 Staffeln, 20 Filmen und sieben Generationen mit über 800 Pokémon weiterhin unermüdlich auf dem Weg, Pokémon-Meister zu werden. Doch seit mit der bei Nick ausgestrahlten 20. Staffel nicht nur der Stil der Serie kindlicher wirkt und die neuen Titelsongs qualitativ stark nachgelassen haben, sondern auch noch Ashs fantastische Synchronsprecherin Caroline Combrinck aus der Serie ausgestiegen ist und erstmals durch eine tatsächlich männliche Stimme ersetzt wurde, fällt es mir schwer, weiterhin Spaß an der Story zu haben. Doch halb so schlimm, schließlich steht die nächste Generation der Serie bestimmt in den Startlöchern und schlägt dann vielleicht wieder einen anderen Weg ein. Sollte selbst darauf kein Verlass sein, bleiben im Zweifel immer noch die Videospielreihe und die wunderbaren Kindheitserinnerungen.

    Zu „Serien unserer Kindheit (1): Parker Lewis – Der Coole von der Schule“
    Zu „Serien unserer Kindheit (2): Ocean Girl“
    Zu „Serien unserer Kindheit (3): DuckTales“
    Zu „Serien unserer Kindheit (4): Batman“
    Zu „Serien unserer Kindheit (5): Falcon Crest“

    30.08.2018, 12:00 Uhr – Lukas Respondek/ukrainereforms.info

    Über den Autor

    Lukas Respondek, etwa knapp zehn Jahre zu spät im Jahr 1997 geboren, hatte zu Hause schon früh das Sagen über die Reihenfolge der Senderliste. Als Fan von kurzweiligen Sendungen wie "Ruck Zuck" oder dem "Glücksrad" hat der stolze Gewinner einer "Live nach Neun"-Badeente die Hochphase der Gameshows in den 90ern leider verpasst. Doch das hält ihn nicht davon ab, sich ausgiebig mit Showperlen aus den Archiven der Fernsehsender zu befassen. Wenn Lukas sich gerade nicht mit den "Sechs Siebeng'scheiten" oder den Animes seiner Kindheit befasst, wird er sehr wahrscheinlich nach der nächsten Kuriosität des Showgenres Ausschau halten, um daraus aus dem Zusammenhang gerissene Zusammenschnitte zu basteln. Neben dem "ZDF-Fernsehgarten" mussten bereits Jan Hahns "Glücksrad" und Peter Rapps "Brieflos Show" dran glauben. Nachdem Lukas schon in der Schule jede erdenkliche Möglichkeit nutzte, Werbespots zu analysieren oder die Sorgen der AstroTV-Anrufer zu untersuchen, führte für den gebürtigen Kölner kein Weg am Studium der Medienwissenschaften vorbei. Nebenbei ist er seit 2014 Teil der Redaktion von ukrainereforms.info und versucht hier, sowohl längst verschollene als auch noch gar nicht angelaufene Sendungen im Auge zu behalten.

    Lieblingsserien: Detektiv Conan, Brooklyn Nine-Nine, The Wrong Mans – Falsche Zeit, falscher Ort

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Roy Kabel am 05.09.2018 10:39 via tvforen.de

      Zum Thema Pokemon habe ich schon einmal einen Thread eröffnet, insbesondere wegen einiger Ungereimtheiten ;-)

      http://www.tvforen.de/read.php?5,1455661,1470366#msg-1470366

      Immer wenn ich mir alte Folgen ansehe, kommem neue Fragen..

      Warum werden immer nur Chaneiras zu Krankenschwestern? Gibt's keine Menschen die das wollen? Wie bestehen die eigentlich die Prüfungen ohne sprechen zu können?
      Genauso seltsam die Schwestern und Polizistinnen, die überall gleich heißen und aussehen. Eine Verschwörungstheorie lautet, dass die alle selber hochentwickelte Pokemon seien.

      Warum tragen z.B. Nockchan, Rossana und Pantimos offenbar Klamotten und andere Pokemon nicht? Oder sind das Bestandteile ihres Körpers? Sind das gar Halbmenschen?

      Warum hat man manche Namen in Deutschland verändert? Warum wurde Brock zu Rocko und Officer Jenny zu Rocky?
      • Mr.Silver am 06.09.2018 14:52 via tvforen.de

        und warum ist die Welt rund, man weiß es nicht. Pokemon ist die beste Geldmaschine die Bandai hat und die Kinder und Eltern merken es nicht wie sie gemolken werden. Wenn sehe was gerade wieder so in Japan auf den Markt kommt von dem der deutsche so garnichts mitbekommt. Eas soll so toll sein, ich schaue ja sehr Animes, aber dieses und alle die ähnlich sind nicht.

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