The Outpost – Neue The CW Fantasyserie auf verlorenem Posten

    Generisches Fantasydrama enttäuscht auf ganzer Linie

    The Outpost - Neue The CW Fantasyserie auf verlorenem Posten – Generisches Fantasydrama enttäuscht auf ganzer Linie – Bild: The CW
    „The Outpost“

    Beim Ansehen der Pilotfolge von der neuen Fantasyserie „The Outpost“ muss man sich einfach nur kopfschüttelnd fragen, was sich die Verantwortlichen dieser unabhängig produzierten Serie sich dabei gedacht haben. Dass es keine bessere Alternative gegeben hätte, kann wohl ausgeschlossen werden, denn so ziemlich alles wäre besser gewesen, als diese lieblose Aneinanderreihung gängiger Fantasy Klischees. Wahrscheinlich hatten die Macher einfach gehofft, dass man mit der Serie den Sendern eine preislich so günstiges Angebot machen kann, das sie dafür Loch im Programmplan finden, wo es niemand findet . Und nachdem man die Pilotfolge gesehen hat, wünscht man sich das ebenfalls.

    Das Fantasydrama dreht sich um ein gleichsam attraktives wie rebellisches Mädchen namens Talon (Jessica Green), die auf Rache sinnt, seit vor 13 Jahren ihre Familie und ihr gesamtes Dorf von einer Reihe böser Männer umgebracht wurden. Ein mysteriöser Mann mit Kapuze verschonte dabei das Leben des damaligen Kindes. Damit ist sie die letzte Überlebende einer Rasse, die sich bis auf ihre spitzen, elfenähnlichen Ohren äußerlich nicht weiter von den Menschen unterscheidet. Die Angehörigen der Spezies haben schwarzes Blut – was den originellen Namen „Blackblood“ begründet – und können eine zunächst geheimnisvolle Art von Magie wirken. Eine Gabe, die Talons Mutter ihr noch schnell vor ihrem Tod übertragen hat.

    Seitdem ist Talon also auf der Suche nach jener Gruppe von Männern, die glücklicherweise alle eine Tätowierung als Erkennungsmerkmal auf dem Handgelenk haben. Darum sucht Talon nach 13 Jahren des Wartens zunächst einen Tätowierer in einer zwielichtigen Spelunke auf, der sich natürlich sofort als der Richtige erweist. Dummerweise gibt es genau in diesem Moment eine Razzia von den Soldaten der „Prime Order“ (was genau das bedeutet wird nicht erklärt), die anscheinend alle Leute in der Taverne aufgrund von verbotenem Glücksspiel umbringen wollen.

    Aber die Soldaten haben ihre Rechnung ohne die kämpferische Talon gemacht, die wirklich unglaublich stark sein muss. Anders ist es nicht zu erklären, wie ein Mädchen wahlweise unbewaffnet oder mit einem kleinen Dolch alleine ungefähr zehn mit Schwertern bewaffnete, ausgebildete Soldaten in schweren Rüstungen niederringen kann. Oft reicht nur ein Tritt ihrerseits aus, um ihr Gegenüber augenblicklich außer Gefecht zu setzen. Die gesamte Kampfsequenz ist so schlecht choreographiert, dass selbst manch LARP-Kampf auf einem Mittelalterfestival mit besseren Stunts aufwarten kann. Zeitgleich schafft Talon es noch, ihren besten Freund Erik und den Tätowierer in Sicherheit zu bringen. Letzterer schafft es noch ihr zwei Namen von den Männern zu nennen, die ihre Sippe auslöschten, bevor er – klischeehaft – mit einem Pfeil von den Soldaten getötet wird.

    Der noble Captain Garret Spears (Jake Stormoen)

    Obwohl Talon und ihr Freund direkt daneben sitzen, scheinen die Soldaten keine Lust zu verspüren, sie ebenfalls umzubringen und warten lieber, bis sie aufstehen und weglaufen, um erst dann die Verfolgung aufzunehmen. Diese währt allerdings nicht lange, denn Talon und Erik flüchten in das Territorium der „Greyskins“ – die schwer gerüsteten Soldaten brechen die Verfolgung hier lieber ab. Bei den besagten Wesen handelt es sich um schlecht animierte, trollähnliche Monster mit, wie der Name schon verrät, grauer Haut. Natürlich ringt Talon das bedrohliche Wesen, das ungefähr doppelt so groß ist wie sie, ebenfalls mit Leichtigkeit nieder. Schade nur, dass ihr Freund sich schon vorher für sie geopfert hatte. Soll man jetzt Trauer für eine Figur empfinden, die gerade einmal fünf Minuten Screentime hatte? Erik ist jedenfalls nicht traurig über sein Schicksal, weil er Talon noch einmal angucken darf, während er stirbt. Die Meinungen darüber, ob das seinen Tod lohnenswert macht, dürften zweifelsohne auseinander gehen.

    Talon vergeudet keine weitere Zeit und macht sich auf den Weg zum Außenposten auf der anderen Seite des Reiches, da sich dort einer der Mörder ihres Clans aufhalten soll. So wandert und wandert sie in einer fixen Montage durch weite Steppen, Felder, Wüsten und schneebedeckte Berge. Anscheinend gibt es in dieser Welt jede Art von Landschaft, die man sich nur vorstellen kann, nur keine Menschen, die das Land bevölkern. Schließlich kommt sie in einem unheimlichen Wald an, in dem sie von einer größeren Gruppe mehr schlecht animierten Wesen angegriffen wird, die wie eine Mischung aus Zombies und dem Xenomorph aus „Alien“ aussehen.

    Bevor diese jedoch Talon den Garaus machen können, erscheint der sprichwörtliche Ritter in glänzender Rüstung, in Gestalt von Garret Spears (Jake Stormoen), dem Captain des Außenposten. Mit einem Lächeln aus der Zahnpastawerbung erklärt er Talon, dass es sich bei den Wesen um sogenannte „Plaguelings“ handelt, und dass sie entweder mit ihm kommen könne, oder dass er bei ihr bleiben und dann unweigerlich mit ihr zusammen sterben würde. Er scheint wirklich von der ersten Sekunde an ein besonderes Interesse an Talon zu haben, auf jeden Fall soll dem Zuschauer das durch die vielen Close-Ups und die schmachtenden Blicke zwischen den beiden klar gemacht werden, für die trotz der drohenden Gefahr noch Zeit bleibt.

    Das spätere Liebesdreieck aus Talon (Jessica Green, M.), Captain Garret Spears (Jake Stormoen) und Gwynn (Imogen Waterhouse)

    Jedoch ist fraglich, wie die Mauern des Außenposten die Zombiewesen aufhalten sollen, da diese offensichtlich aus einer Mischung aus Spanplatten und Pappmaché zu bestehen scheinen. Jedenfalls ist der Posten wohl nicht sehr groß, denn Talon schafft es innerhalb von fünf Minuten in der Taverne des Außenpostens den Mann zu finden, der ihre Mutter umgebracht hat. Über den anderen Mann mit Kapuze (Kevin McNally), der sie aus einer Ecke heraus sehr auffällig unauffällig beobachtet, scheint sie nicht weiter beunruhigt.

    Als Talon sich in ihr Zimmer zurückziehen will, folgt ihr ein Edelfräulein namens Gwynn (Imogen Waterhouse), die behauptet, dass ebendieser Mann vorhat sie umzubringen und verlangt Talons Schutz. Es erscheint nur logisch, dass man sein Leben einem fremden Mädchen anvertraut, das man gerade im Vorbeigehen das erste Mal gesehen hat. Natürlich bringt Talon sie nach Hause, wo sich herausstellt, dass Garret für Gwynns hochrangigen Vater arbeitet und gleichzeitig deren Geliebter ist. Das Fundament für ein Liebesdreieck zwischen Talon, Garret und Gwynn ist gelegt.

    Die zweite Folge nicht ganz so schlecht wie die erste, was leider hauptsächlich daran liegt, dass es schlechter nicht mehr geht und die zweite Episode weitestgehend in der Stadt spielt und daher auf die unglaublich schlecht choreographierten Kämpfe und animierten Monster verzichtet. Trotzdem kann auch diese Folge nicht über die grundlegenden Schwächen der Serie hinwegtäuschen. Das spannendste an Fantasygeschichten ist immer in eine neue Welt mit ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten einzutauchen. Wenn man davon aber nichts erläutert bekommt, ist es schwer, irgendeine Art von Faszination für den Stoff zu entwickeln.

    Warum zum Beispiel gibt es diesen Außenposten im anscheinend entlegensten Winkel des Reiches und was ist seine Aufgabe? Was für eine Rolle spielt die „Prime Order“, die den Rest der Bevölkerung zu unterdrücken scheint? Aus welchem Grund wurde die Rasse der „Blackbloods“ ausgelöscht? Zu keiner dieser Fragen liefert die Serie in den ersten zwei Folgen eine zufriedenstellende Erklärung und lässt den Zuschauer somit weiter im Dunkeln tappen.

    Die Figur Janzo (Anand Desai-Barochia) soll gleichsam sympathischer, aber tumber Tavernen-Bursche sein wie auch über alchemistisches Geheimwissen verfügen, das Talon helfen könnte

    Wahrscheinlich hätte eine weitere Ausdifferenzierung der Welt auch das Budget der Serie gesprengt, denn auch daran hat es offenkundig gehapert. Von den offensichtlich künstlichen und viel zu sauberen Kulissen bis hin zu den zusammengewürfelten Kostümen, die aus dem Fundus einer Theater-AG stammen könnten, mangelt es „The Outpost“ an allem, um irgendwie eine stimmungsvolle Atmosphäre erzeugen zu können. Natürlich können auch Low-Budget Produktionen mit anderen Qualitäten überzeugen. Nur gelingt dem neuen Fantasydrama das nicht.

    Die Dialoge in „The Outpost“ sind so platt und ohne jeden Tiefgang – wie die Charaktere selbst, die allesamt so generisch und austauschbar sind, dass man als Zuschauer keinerlei Sympathien für sie entwickeln kann. Die erzwungene Chemie zwischen Talon und Garret ist deswegen einfach nur unerträglich langweilig. Es gibt in dem Fantasydrama nur schwarz und weiß. Die guten Figuren sind durchweg attraktiv, loyal und charmant, die Bösen sind fies und hässlich und haben einfach nur Spaß am Töten. Das beste an der gesamten Serie ist noch die Kinderdarstellerin von Talon, die als einzige authentische Emotionen transportieren konnte.

    Den Figuren wie der Serie im Allgemeinen fehlen einfach die Ecken und Kanten oder irgendein Alleinstellungsmerkmal. Es wirkt so, als ob in „The Outpost“ einfach alle gängigen Fantasy-Klischees imitiert und aneinandergereiht wurden, ohne einen Funken Innovation. Das hätte als Parodie auch super funktioniert, nur leider verkauft sich „The Outpost“ als ernst zu nehmendes Drama. Wahrscheinlich wird es Talon gelingen, die „Blackblood“-Prophezeiung zu erfüllen und die Menschheit zu retten, für „The Outpost“ scheint jedoch keine Rettung in Sicht.

    Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten zwei Episoden der Serie „The Outpost“.

    Meine Wertung: 1,5/5


    © Alle Bilder: The CW

    „The Outpost“ wurde unabhängig für den internationalen Weltmarkt hergestellt. Die Weltpremiere erfolgt aktuell beim US-amerikanischen Sender The CW. In Deutschland hat der Pay-TV-Sender Syfy die Rechte, wo „The Outpost“ ab dem 19. September 2018 ausgestrahlt wird.

    Trailer zu „The Outpost“ (Zusammenschnitt diverser Trailer; englisch)

    29.07.2018, 19:18 Uhr – Jana Bärenwaldt/ukrainereforms.info

    Über die Autorin

    Jana Bärenwaldt
    Jana Bärenwaldt entdeckte ihr Interesse an Fernsehserien relativ spät, erst mit der Ausstrahlung von "The Tudors" im deutschen Fernsehen wurde sie zu einem richtigen Serien-Fan. Bis heute ist die Historienserie eins ihrer favorisierten Genres, weswegen sie diesem Thema auch ihre Bachelorarbeit gewidmet hat. Mittlerweile schaut sie aber bunt gemischt, von Drama über Fantasy bis Crime ist alles mit dabei. Seit März 2016 ist Jana neben ihrem Studium in der Redaktion von ukrainereforms.info tätig und schreibt dort hauptsächlich für TV-Serien aus dem englischsprachigen Raum.

    Lieblingsserien: Sherlock, The White Princess, Death Note

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Stefan_G (geb. 1963) am 30.09.2018 23:26

      Anhand der überwiegend schlechten Kritiken - werde ich mir diese Serie garantiert nicht anschauen...
        hier antworten
      • viebrix am 04.08.2018 12:02

        DerTrailer erinnert mich das an die typischen Fantasy 2- oder 3-Teiler die oft an Wochenenden auf RTL II gezeigt werden ;-)
          hier antworten

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